Dieter's Klaviergeschichten
Datenarchiv des Klavierbaus

Ferdinand Stichel

Leipzig, gegr. 1877

- gekürzte Fassung -

Es war einmal ein Vater, der hatte drei Söhne ... so lautet der Titel eines japanischen Filmdramas von 1942. Es war einmal ein Vater, der hatte zwei Söhne. Die Gebrüder Grimm wussten davon zu erzählen. In Leipzig war einmal ein Vater, der hatte drei Söhne. Kein Märchen.

Portrait von F. Stichel, vom 1. April 1902 Der Vater:

Ferdinand Stichel wurde 1850 in Eilenburg geboren, als Sohn eines in der dortigen Eisengießerei beschäftigten Arbeiters,Übersiedlung nach einem Dorf in der Nähe von Leipzig, 1865 Beginn der vierjährigen Lehre bei einem Tischlermeister in Eilenburg. [...]


Der älteste Sohn:
Alfred Felix Stichel wurde 26. Juli 1880 geboren. Er lernte im väterlichen Betrieb und ging dann nach Amerika. Besonders interessierte er sich für die Fabrikation pneumatischer Klavierspielapparate. [...]

Der zweite Sohn:
Otto Franz Stichel wurde am 26. April 1882 geboren. "Auf dem Feld der Ehre" starb Otto Stichel am 28. Februar 1916 der Leutnant der Reserve eines Infanterie-Regiments infolge der schweren Verwundungen die er sich in der Schlacht vor Verdun zuzog. [...]

Der dritte Sohn:
Paul Ferdinand Stichel, persönliche Daten unbekannt. [...]

Die Firma und ihre Instrumente:

"Ferdinand Stichel gründet die Werkstatt am 9. April 1877 zusammen mit seinem Schwager Friedrich Wagen zum Bau von Pianinos in Leipzig. [...]
Sechs Jahre nach der Gründung wurde schon die Herstellung des 500 Instrumentes angezeigt. Mit einem heiteren, fröhlichen Sommerfest und einer Ansprache eines Arbeiters, der am längsten im Betrieb tätig war, wurde der Tag festlich begangen. Verbunden mit dem Wunsch: " dass es allen Arbeitern des verehrten Principals beschieden sein möge, auch das 1000. Instrument vollenden zu helfen". [...]

Im September 1892, nachmittags, brach im Hintergebäude der Leipziger Windmühlenstraße 42, in der Fabrik von F. Stichel ein Feuer aus. "Ein nicht unbeträchtlicher Vorrath von Klavierhölzern fiel den Flammen zum Opfer, während ein Theil der Instrumente in den darunter befindlichen Räumen arg durch Wasser beschädigt wurde". [...]

Im Vorbericht zur Leipziger Herbstmesse 1905 wurde von einem "ganz billigen Klavierkunstspielapparat", der trotz seiner Billigkeit mit 4 Hebel: Tempo-, Nuancierungs-, Pedal- und Rückroll-Hebel ausgestattet ist und der mit 420 M zu verkaufen ist, annonciert.
Unwetterschäden gab es zu jeder Zeit. Bei einem Unwetter im Mai 1908 zerschlugen hühnereigroße Eisstücke die Oberlichtscheiben. [...]
Zur Herbstmesse 1924 stellte die Firma "ihre Pianos und Einbau-Tretpianos Marke `Claviola` zusammen mit der Künstlernotenrollenfabrik Felix Schüller - Dresden" aus. [...]

Neue Modelle zur Leipziger Herbstmesse 1932:
Neben altbewährten Modellen wurde ein neues kleines Modell L 128 cm hoch. "Dieses Spezialmodell für kleine Zimmer unterscheidet sich von den übrigen Modellen nur durch die etwas kleineren Dimensionen und den dadurch bedingten niedrigeren Preis; an Qualität steht es ihnen in keiner Weise nach. Auch bei diesem Modell ist der Ton hervorragend gut gelungen".
1935 inserierte die Firma Stichel und pries ihre "erstklassigen, tonedlen Pianos, mittlerer Preislage" an.

Anzeige aus dem Weltadressbuch der Firma Stichel